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Überall ist Wunderland
Ein literarisches Kabarett zu Ehren von Joachim Ringelnatz

Joachim Ringelnatz wurde am 7.8.1883 als Heinrich Bötticher in Wurzen bei Leipzig geboren und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Nach einer selbst als grässlich empfundenen Schulzeit führte er ein unstetes „Leben der 36 Berufe“, wie er selber es einmal formulierte. Er fuhr zunächst zur See als Schiffsjunge und Matrose. Danach absolvierte er in Hamburg eine Kaufmannslehre, ging nach England, wo er als Hausmeister arbeitete, wurde Lehrling in einer Dachpappenfabrik und war schließlich in einem Münchner Reisebüro angestellt.
1909 wurde Ringelnatz „Hausdichter“ bei Kathi Kobus, der Wirtin des bekannten Münchner Künstlerlokals Simplicissimus, wo er seine hintersinnigen Verse vortrug und zahlreiche andere Künstler kennen lernte. Er versuchte sich auch für kurze Zeit als Unternehmer und gründete einen Tabakladen. Es folgten Veröffentlichungen diverser Gedichtbände und Erzählsammlungen. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich Ringelnatz ab 1911 als Bibliothekar und Fremdenführer.
Während des 1. Weltkrieges war Ringelnatz bei der Marine. Danach hielt er sich zunächst mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser. 1919 legte er sich den Namen Ringelnatz zu, das ist ein Seemannsausdruck für das Seepferdchen. Ab 1920 trat er dann wieder auf: In der Berliner Kleinkunstbühne „Schall und Rauch“ und im „Simplicissimus“. In diesem Jahr heiratete er Leonarda Piper, die große Liebe seines Lebens. Seine grotesk-satirischen, teils frivolen, zuweilen auch sehr mitfühlenden Gedichte  machten ihn zunehmend auf Gastspielreisen bekannt. Er reiste in den 20er Jahren viel und trug auf Kleinkunstbühnen seine Verse vor.
1930 verlegte er seinen Wohnsitz nach Berlin. Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 durfte Ringelnatz nicht mehr auftreten. Das entzog ihm seine wirtschaftliche Basis. Völlig verarmt erlag er am 17.  November 1934 in Berlin einem Lungenleiden.


Bernd Weidtmann

Joachim Ringelnatz
Überall ist Wunderland

Überall ist Wunderland.
Überall ist Leben.
Bei meiner Tante im Strumpfenband
wie irgendwo daneben.

Überall ist Dunkelheit.
Söhne werden Väter.
Fünf Minuten spätert
stirbt sich was für einige Zeit.
Überall ist Ewigkeit.

Wenn du einen Schneck behauchst,
schrumpft er ins Gehäuse.
Wenn du ihn in Cognac tauchst,
sieht er weiße Mäuse.