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» Tucholsky

Gegen einen Ozean pfeift man nicht an!

Ein literarisches Kabarett mit Texten von Kurt Tucholsky

Kurt Tucholsky ist mit seinen satirischen, sarkastisch - ironischen Essays, Kurzprosatexten und Gedichten, die auf seine bissigen Vorbilder Lichtenberg und Heine verweisen, einem interessierten Publikum bereits bekannt.
Vor allem als politisch scharf beobachtender Kritiker trat er auf und legte den Finger immer wieder in die politischen Wunden der Weimarer Republik. Seine sozialkritischen Schriften zu Militarismus, Korruption und Nationalismus klagen bitter persiflierend an und sind oftmals noch heute aktuell in ihren Grundaussagen.
Zeitlos sind auch seine heiteren Romane, die sich schon damals einer außerordentlichen Beliebtheit erfreuten, wie Rheinsberg und Schloss Gripsholm.
Hochaktuell sind jedoch seine niedergeschriebenen Beobachtungen darüber, wie eine Diskussion ausufern kann, wenn um die Löcher im Käse gestritten wird, was abends um sechs im Berliner Tiergarten besprochen wird, und warum ein Hund ins Büro geht.
Bernd Weidtmann wird an diesem Abend den Schwerpunkt auf die Prosatexte und Gedichte legen, in denen Tucholsky die kleinbürgerlichen Vorstellungen, Träume, Macken und Ticks seiner Zeitgenossen aufs Korn nimmt. Dabei wird sich zeigen, dass die knapp hundert Jahre zwischen gestern und heute auch nicht dazu geführt haben, dass sich die Menschen bis mor-gen noch großartig ändern werden. Es wird mit einer üppigen Auswahl aus den Texten von Panther, Tiger & Co. ein vergnüglich anspruchsvoller Abend zu erwarten sein.

 


Bernd Weidtmann
Kurt Tucholsky
Märchen

Es war einmal ein Kaiser, der über ein unermesslich reiches und schönes Land herrschte. Und er besaß wie jeder andere Kaiser auch eine Schatzkammer, in der inmitten all der glänzenden und glitzernden Juwelen auch eine Flöte lag. Das war aber ein merkwürdiges Instrument. Wenn man nämlich durch eins der vier Löcher in die Flöte hineinsah – oh! was gab es da alles zu sehen! Da sah war eine Landschaft darin, klein aber voll Leben: Eine Thomasche Landschaft mit Böcklinschen Wolken und Leistikowschen Seen. Reznicsche Dämchen rümpften die Nase über Zillesche Gestalten, und eine Bauerndirme Meuniers trug ein Arm voll Blumen Orliks – kurz die ganze moderne Richtung war in der Flöte.
Und was machte der Kaiser damit?
Er pfiff drauf.

(Anmerkung: Diese – verschlüsselte - Satire bezog sich auf die Unfähigkeit des deutschen Kaisers, Wilhelm II, , sich mit der seinerzeitigen Kunst auseinanderzusetzen.)